| Front | »Ein praktizierender Arzt hats übrigens in hiesiger Gegend ziemlich bequem«, meinte der Apotheker. »Die Wege sind nämlich soweit imstand, daß man ein Kabriolett verwenden kann. Im allgemeinen lohnt sich die Praxis auch. Die Bauern sind wohlhabend. Nach den statistischen Feststellungen haben wir, abgesehen von den gewöhnlichen Diarrhöen, Rachenkatarrhen und Magenbeschwerden, hin und wieder während der Erntezeit wohl Fälle von Wechselfieber, aber im großen und ganzen selten schwere Krankheiten. Besonders zu erwähnen sind die zahlreichen skrofulösen Leiden, die zweifellos von den kläglichen hygienischen Verhältnissen in den Bauernhäusern herrühren. Ja, ja, Herr Bovary, Sie werden öfters mit altmodischen Ansichten zu kämpfen haben, und vielfach werden Dickköpfigkeit und alter Schlendrian alle Anstrengungen Ihrer Kunst zunichte machen. Denn die Leute hierzulande versuchen es in ihrer Dummheit immer noch erst mit Beten, mit Reliquien und mit dem Pfarrer, statt daß sie von vornherein zum Arzt oder in die Apotheke gingen. Im übrigen ist das Klima wirklich nicht schlecht. Wir haben sogar etliche Neunzigjährige in der Gemeinde. Nach meinen Beobachtungen ist die Maximalkälte im Winter 4° Celsius, während wir im Hochsommer auf 25°, höchstens 30° kommen. Das wäre ein Maximum von 24° Reaumur. Das ist nicht viel. Das kommt aber daher, daß wir einerseits vor den Nordwinden durch die Wälder von Argueil, andrerseits vor den Westwinden durch die Höhe von Sankt Johann geschützt sind. Diese Wärme, die ihre Ursachen auch in der Wasserverdunstung des Flusses und in den zahlreich vorhandenen Viehherden in den Weidegebieten hat, die, wie Sie wissen, viel Ammoniak produzieren (also Stickstoff, Wasserstoff und Sauerstoff, ach nein, nur Stickstoff und Sauerstoff!), -- diese Wärme, die den Humus aussaugt und alle Dünste des Bodens aufnimmt, sich gleichsam zu einer Wolke zusammenballt und sich mit der Elektrizität der Atmosphäre verbindet, die könnte schließlich (wie in den Tropenländern) gesundheitsschädliche Miasmen erzeugen --, diese Wärme, sag ich, wird gerade dort, wo sie herkommt, oder vielmehr, wo sie herkommen könnte, das heißt im Süden, durch die Südostwinde abgekühlt, die ihre Kühle über der Seine erlangen und bei uns bisweilen plötzlich als sanftes Mailüfterl wehen ...« |
|---|---|
| Back | "Moreover," said the druggist, "the practice of medicine is not very hard work in our part of the world, for the state of our roads allows us the use of gigs, and generally, as the farmers are prosperous, they pay pretty well. We have, medically speaking, besides the ordinary cases of enteritis, bronchitis, bilious affections, etc., now and then a few intermittent fevers at harvest-time; but on the whole, little of a serious nature, nothing special to note, unless it be a great deal of scrofula, due, no doubt, to the deplorable hygienic conditions of our peasant dwellings. Ah! you will find many prejudices to combat, Monsieur Bovary, much obstinacy of routine, with which all the efforts of your science will daily come into collision; for people still have recourse to novenas, to relics, to the priest, rather than come straight to the doctor or the chemist. The climate, however, is not, truth to tell, bad, and we even have a few nonagenarians in our parish. The thermometer (I have made some observations) falls in winter to 4 degrees Centigrade at the outside, which gives us 24 degrees Reaumur as the maximum, or otherwise 54 degrees Fahrenheit (English scale), not more. And, as a matter of fact, we are sheltered from the north winds by the forest of Argueil on the one side, from the west winds by the St. Jean range on the other; and this heat, moreover, which, on account of the aqueous vapours given off by the river and the considerable number of cattle in the fields, which, as you know, exhale much ammonia, that is to say, nitrogen, hydrogen and oxygen (no, nitrogen and hydrogen alone), and which sucking up into itself the humus from the ground, mixing together all those different emanations, unites them into a stack, so to say, and combining with the electricity diffused through the atmosphere, when there is any, might in the long run, as in tropical countries, engender insalubrious miasmata—this heat, I say, finds itself perfectly tempered on the side whence it comes, or rather whence it should come—that is to say, the southern side—by the south-eastern winds, which, having cooled themselves passing over the Seine, reach us sometimes all at once like breezes from Russia." |
Tags: 29germani, germani
Learn with these flashcards. Click next, previous, or up to navigate to more flashcards for this subject.
Next card: Gibt es denn wenigstens ein paar spazierwege der
Previous card: Leo wandte sich emma grade das denke ich
Up to card list: German-English 21000